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Molitor&Kuzmin



Kunstwerke
Vita

molitor & kuzmin
 
molitor & kuzmin - das ist der künstlerische Zusammenschluss von Ursula Molitor und Vladimir Kuzmin, die seit 1996, also seit nunmehr 12 Jahren, einen Hauptteil ihrer künstlerischen Arbeit gemeinsam entwickeln. Beide Künstler haben in einem gleichberechtigten Konzept im Laufe der Jahre eine gemeinsame künstlerische Sprache entwickelt, in deren Mittelpunkt das Licht als formales und inhaltliches Kriterium zu immer wieder groß angelegten rauminstallativen Werken führt wie auch zu konkreten skulpturalen Bildkörpern, die sich in ironischer Brechung und semantischer Präzision mit künstlerischen und aktuellen Fragestellungen auseinandersetzen. Bemerkenswert in dieser Kooperation ist die Kongenialität der Zusammenarbeit, gepaart mit der jeweils sehr autonom bleibenden Individualität der beiden Künstler.
 
Kontraste und Paradoxien definieren ihre Objekte und Skulpturen. In ihnen wird das Licht als das Warme, Lebendige, Gleißende und Energie Spendende gehalten und versperrt von Zinkplatten und Bleifläche, die mit der Qualität von Schwere und Verschließung den absoluten Gegensatz setzen. Das Licht scheint sich aus dieser Umklammerung wie ein lebendiger Körper hinaus zu winden und zu versuchen zu entkommen. Die Kombination zwischen Materialität und Imagination findet sich in allen Arbeiten, in denen molitor & kuzmin mit Schatten und Lichtobjekten arbeiten. Hier verwenden sie immer wieder Fundstücke des Alltags, die nach Form und Abstraktion bewusst ausgewählt werden und dann mit einer Lichtlinie gespiegelt werden. Die Umkehrung der Idee von Schatten und Objekt wird hier deutlich. Das materielle Objekt wird zum dunklen Schatten einer Lichtform, die den Umriss und die Perspektive der Objekte und Formen aufgreift und diese gleichsam konkretisiert. Anders als im klassischen Bild von Schatten und Licht, wo das Objekt im Licht einen Schatten wirft, der dann noch dunkler und konkreter erscheint als das Objekt selbst, wird hier das Objekt und das schwere Material zum immateriellen Schatten des Lichtes. Diese Objekte, die molitor & kuzmin durchaus als Schattenobjekte oder als Licht/Schatten definieren, sind in ihrer Unterschiedlichkeit so wandelbar wie die Objekte, die die beiden hierfür auswählen. Je nach Verortung im Raum und je nach Platzierung an Wand oder in der Fläche entwickeln sich hier mehrfache Brechungen und vielfältige Formenüberlagerungen.,die die Dinge in einem unterschiedlichen
Licht erscheinen lassen.  
 
Eines der ersten Lichtprojekte, die molitor & kuzmin realisiert haben, war der Lichtcontainer. Das zugrunde liegende Konzept war das Sammeln von immateriellem Licht in einem materiellen Behälter. Es entstand eine Einheit der Gegensätzlichkeit, indem Licht in seiner puren Strahlkraft in einen rostigen, von Gebrauchsspuren gezeichneten Schuttcontainer gepackt wurde.
 
In der Vorstellung, Licht mittels Europaletten „auf Reisen zu schicken“, wird das Licht im Raum gleichsam zum Frachtgut, das sich an unterschiedlichen Orten immer wieder aufs Neue etabliert. Von der Arbeit „Frachtgut“, bei der zwischen zwei Holzpaletten ein dichtes Bündel von Leuchtstoffröhren „verpackt“ ist, wurden drei realisiert, wovon sich eine mittlerweile in Moskau befindet. Die zum Teil meterhohen Lichtsäulen aus ineinander verschachtelten Leuchtstoffröhren werden, in Hallen, Kirchen und anderen Gebäuden temporär errichtet, zu immateriellen Objektträgern der jeweiligen Raumarchitektur.
 
Jede einzelne Arbeit von molitor & kuzmin ist bis ins Detail ausgearbeitet. Auch in den scheinbar kleinen und oftmals ironisierenden Objekten findet sich bei genauerer Betrachtung jedes Element durchgestaltet, zum Teil malerisch verfremdet und immer wieder ganz präzise mit dem Licht in Verbindung gebracht. Bei den großen Installationen bedarf es allein einer hohen logistischen Vorarbeit, die Umsetzung zu realisieren und die Wirkung der Arbeiten im Vorfeld genau zu planen, da hier ein „Ausprobieren“ selbstverständlich nicht wirklich möglich ist. Die dialogische Form der Arbeiten entwickelt sich in der präzisen künstlerischen Auseinandersetzung der beiden Protagonisten untereinander und lässt sich für den Betrachter in den realisierten Arbeiten nur insofern nachvollziehen, als er hier gleichsam zum Dialogpartner der Arbeit selbst wird und nicht so sehr in der Fragestellung verhaftet bleibt, welche Hand welchen Aspekt eingefügt hat.
Dr. Gabriele Uelsberg
Direktorin des Rheinischen LandesMuseums Bonn